WdJ 2016

2015 - Der Grunewald

Von der Sollingbuche zum Designerstuhl

 

Holzernte ist in vollem Gange - aus den besten Buchen werden edle Sitzmöbel hergestellt
 
Amelith. Sören Greve tritt durch den Schnee an den dicken Buchenstamm heran und wirft seine Motorsäge an. Innerhalb weniger Sekunden haben sich die Zähne der Säge in den Baumstamm gefressen, Späne wirbeln durch die Luft. Noch einmal ruft Greve laut "Achtung", setzt zum finalen Fällschnitt an und stellt, als sich der Baumriese langsam zu neigen beginnt, die Säge aus. Ein paar Schritte zurückgetreten wandert sein Blick in die Baumkrone. Erst langsam, dann immer schneller fällt die 120 Jahre alte Buche zur Erde und schlägt donnernd auf den Boden auf - exakt dort, wo Forstwirt Greve es geplant hatte. Rund 15 Meter lang ist allein der Stamm der Sollingbuche, auf seiner Hälfte misst dieser noch über einem halben Meter Durchmesser.
 
Winterzeit ist Erntezeit im Solling. Wie hier bei Amelith brummen derzeit die Sägen an vielen Orten des Sollings - mit 38.500 Hektar nach dem Harz übrigens das zweitgrößte Waldgebiet Niedersachsens. Das Fällen von Bäumen wie diesen ist für Forstwirt Greve, der mit seinem Kollegen Holger Warnecke gemeinsam arbeitet, zunächst einmal ein technischer Vorgang , bei dem besonders präzise und ordentlich gearbeitet werden muss, um den wertvollen Rohstoff Holz zu ernten. Es ist aber auch ein Stück weit ein emotionaler Vorgang: "Wir ernten, was mehrere Generationen von Forstleuten aufgebaut und gepflegt haben. Und wir wiederum pflanzen und pflegen, was Generationen nach uns einmal ernten werden", sagt Greve.
 
Denn allem Wirtschaften im Walde liege das forstliche Gesetz der Nachhaltigkeit, das vor exakt 300 Jahren geschaffen wurde, zugrunde: Niemals mehr ernten als nachwächst.
Das ist im ganzen Solling so. Weit mehr als die 250.000 Kubikmeter Holz, die pro Jahr zwischen Weser und Leine geerntet werden, wachsen nach. Überwiegend Buchen sind es, aber auch Fichten und Eichen sowie Edellaubhölzer wie Ahorn, Esche und Kirsche. Seit Jahrhunderten gibt der Solling den Menschen der Region nicht nur Bau- und Brennholz, Wildfleisch sowie Erholungsraum, sondern auch Arbeit - entweder direkt im Wald oder in der Holzverarbeitung. Ein gutes Duzend Sägewerke und andere Holzverarbeiter gibt es heute noch rund um dem Solling, der Waldgebiet des Jahres 2013 ist (siehe Hintergrund).